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Bitcoin Volatilität – Die 4 Perspektiven

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Die Bitcoin Wechselkursvolatilität betrifft jeden, der Bitcoins als Zahlungsmittel benutzt oder als diese als Vermögensgegenstand handelt. Trotzdem sind die verfügbaren Informationen zur Bitcoin Volatilität eher begrenzt. Deswegen ist es Zeit für eine genauere Untersuchung. Die Ergebnisse sind zuweilen kontra-intuitiv. Das macht die Sache umso spannender.

Anmerkung: dieser Artikel wurde urspünglich von mir am 27.08.2013 beim Bitcoin Magazine auf englisch veröffentlicht – Bitcoin Volatility – The 4 perspectives

Eine chinesische Übersetzung des Artikels könnt Ihr hier finden: http://blog.sina.com.cn/s/blog_d3b90b760101c5t6.html

1. Was ist Bitcoin Volatilität

Bei gehandelten Währungen oder Wertpapieren bezeichnet die Volatilität die Schwankungsbreite der Renditen um die Durchschnittsrendite. Die Rendite wird dabei üblicherweise auf Tagesbasis betrachtet.

Renditen (auch Preisänderungen oder Wertänderungen genannt), werden als relative oder prozentuale Änderungen gemessen. Nur relative Änderungen sind zwischen verschiedenen Wertpapieren und über verschiedene Zeiträume vergleichbar. Ein Beispiel: wenn der Bitcoin Preis von einem Tag zum anderen von 100 EUR auf 101 EUR steigt, ist das eine Änderung von +1%. Wenn der Preis von 1.000 EUR auf 1.001 EUR steigt, ist die absolute Preissteigerung die gleiche, die relative Änderung beträgt aber nur +0,1%. Wenn man eine Zeitreihe täglicher Renditen hat, kann man daraus die Durchschnittsrendite über diesen Zeitraum errechnen. Die durchschnittliche tägliche Rendite von Bitcoins in US Dollar (die Untersuchung basiert auf dem Wechselkurs zum USD, weil hier das Handelsvolumen höher und die Daten deshalb etwas aussagekräftiger sind) auf Mt.Gox zwischen Juli 2010 und August 2013 lag bei 0,7%. Diese Zahl wird auch Erwartungswert genannt. Eine Durchschnittsrendite auf Tagesbasis von 0,7% ist im Vergleich zu anderen Wertpapieren ein hoher Wert.

Wenn wir die Durchschnittsrendite kennen, können wir die Volatilität berechnen. Wir machen das, um die Streuung um den Mittelwert herum zu ermitteln. Je höher die Streuung beziehungsweise Volatilität, desto höher ist das Risiko des Erwartungswertes. Bitcoins hatten im oben genannten Zeitraum eine Volatilität auf Tagesbasis von 7,2%. Wir annualisieren diesen Wert, um die mögliche Streuung über ein Jahr abzuschätzen. Das Ergebnis ist eine Volatilität von 136%. Das ist ebenfalls ein hoher Wert.

Die Bitcoin Volatilität sagt uns also, wie viel die Bitcoin Rendite in USD in einem bestimmten Zeitraum um ihren Erwartungswert schwankt. Um das Ganze besser einzuordnen, sehen wir uns als nächstes einige historische Daten an.

2. Historische Bitcoin Volatilität

Wenn man an die historische Bitcoin Volatilität denkt, ist es nichts Neues, dass diese sehr hoch war. Was aber unsere Aufmerksamkeit verdient, ist ihre Entwicklung. Volatilität wird als arithmetischer Mittelwert berechnet. Einzelne Werte haben dabei einen hohen Einfluss auf das Ergebnis. Deshalb müssen wir ein besonderes Augenmerk auf extreme Bewegungen richten. Hätte ich gefragt: “Wann gab es bei Bitcoin die extremsten Preisbewegungen?”, was hättest Du gesagt? Meine persönliche Schätzung wäre gewesen: Frühjahr 2013. In dieser Zeit waren die absoluten Preisänderungen massiv. Aber wenn wir uns relative Änderungen ansehen, stellen wir fest, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist.

bitcoin taegliche renditen 2010 bis 2013

Datenquellen: bitcoincharts.com; eigene Berechnungen

Das Chart zeigt uns, die dramatischsten Bitcoin Preisänderungen fanden im Jahr 2011 statt. Genauer gesagt lagen 7 der 10 höchsten Preissteigerungen im Jahr 2011. Nur eine der zehn höchsten Preissteigerungen fand in 2013 statt. Wie wir auf dem Chart sehen, war es noch nicht einmal die höchste. Bei Preisrückgängen ist die Situation ähnlich. 6 der 10 stärksten Preisrückgänge lagen in 2011. Nur zwei lagen im Jahr 2013.

Wenn wir über Zahlen sprechen, bekommen diese mehr Bedeutung, wenn man sie ins Verhältnis mit vergleichbaren Größen setzt. Nur dann kann man sagen, ob etwas “hoch”, “groß”, “klein” etc. ist. Deshalb müssen wir uns aus dem Bitcoin Elfenbeinturm begeben und einen Blick auf die Welt draußen werfen. Uns wir müssen sicherstellen, Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen.

Bevor wir Bitcoin mit etwas vergleichen können, müssen wir wissen, was Bitcoins eigentlich sind. Bitcoins können zwei Dinge sein. Zum einen: Bitcoin ist eine Währung und damit eine Form von Geld. Bitcoin erfüllt die drei Funktionen, die üblicherweise bei der Definition von Geld zugrunde gelegt werden. Diese sind: Tausch- und Zahlungsmittelfunktion, Wertaufbewahrungsmittel, Recheneinheit. Wenn wir also Bitcoin als Währung betrachten, müssen wir es mit anderen Währungen vergleichen.

Die zweite Möglichkeit ist Bitcoin als Vermögenswert zu betrachten. Solange jemand bereit ist für Bitcoins eine Gegenleistung zu erbringen (z.B. in Form von Geld, Waren oder Dienstleistungen), sind Bitcoins Vermögenswerte. Dabei spielt es keine Rolle ob irgendwer eine Garantie für Bitcoins abgegeben hat oder ob sie einen inhärenten Nutzen haben (was auch immer das sein soll). Somit können wir Bitcoins mit anderen Vermögenswerten vergleichen. Dabei ist es naheliegend Bitcoins mit Wertpapieren zu vergleichen die auf liquiden Märkten gehandelt werden. Hier reagieren Preise sofort auf Angebot und Nachfrage und Preisdaten sind öffentlich verfügbar.

bitcoin volatilität im vergleich

Datenquellen: bitcoincharts.com; Yahoo! Finance; quandl.com; eigene Berechnungen

 

Das obige Chart zeigt die annualisierte 30-Tages Volatilität von Bitcoin zum USD auf der Börse Mt.Gox. Dazu im Vergleich sehen wir die Volatilität des Währungspaares EURUSD und S&P500 Aktienpreisindices. Zwei Kernbotschaften gehen aus diesem Chart hervor.

Wenn wir die Bitcoin Volatilität mit EURUSD vergleichen, sehen wir, dass das EURUSD Währungspaar eine deutlich geringere Volatilität hat. Sie liegt selten über 10%. Die Volatilität des S&P500 Indices ist hingegen deutlich höher und schwankender. In 2011 übersteigt sie gar die 40% Marke. Im Jahr 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, lag die S&P500 Volatilität zwischenzeitlich sogar bei über 80% auf annualisierter Basis. Der Verlauf der Bitcoin Volatilität gleicht deutlich mehr dem S&P500 als dem EURUSD Verlauf. Somit hat der Bitcoin Preis hat in den letzten drei Jahren mehr dem Preis eines Vermögenswertes als dem einer Währung geglichen.

Zudem sehen wir auf dem Chart, dass die Bitcoin Volatilität selbst erheblich schwankt. An vielen Punkten springt die Volatilität von moderaten Werten auf über 30%. Das macht den Bitcoin Preis noch schwerer vorhersehbar. Wenn wir uns jedoch die Entwicklung ansehen, sehen wir ebenfalls dass die Sprünge abnehmen. Und noch wichtiger, die Bitcoin Volatilität nimmt ab. Langsam aber stetig. Trotz all der Aufmerksamkeit und des Wirbels, bezüglich der Bitcoin Volatilität war das Jahr 2013 bisher bei weitem nicht so turbulent wie das Jahr 2011.

3. Freund oder Feind

Nachdem wir uns einige Fakten angesehen haben, bleibt die Frage wie wir diese beurteilen. Ist eine hohe Bitcoin Volatilität hilfreich für Bitcoin oder nicht. Volatilität ist auch ein Synonym für Risiko. Und Risiko hat meistens eine Verbindung mit Rendite. Es gibt ein Potential nach oben und nach unten. Manche mögen das unter Umständen, manche nicht.

Anleger

Leute die in Vermögenswerte und Derivate auf diese Vermögenswerte investieren berechnen die Risiken auf diese Geldanlagen. Bei hoher Volatilität gibt es auch eine größere Chance auf hohe Renditen. Die Rendite von Bitcoin war bisher herausragend. Für Anleger, die risikoaffin sind, ist die hohe Bitcoin Volatilität ein Geschenk. Risikoaverse Anleger könne einfach Bitcoins fernbleiben und in andere Vermögenswerte investieren. Das Wertsteigerungspotential überwiegt die Risiken für diese Gruppe.

Miner

Ich bin wahrlich kein Mining Experte. Sollte ich aber aktiver Miner werden, würde ich gerne eine halbwegs verlässliche Renditeberechnung bezüglich meiner Hardware-Investition anstellen wollen. So eine Berechnung ist bei einer hohen Bitcoin Volatilität schwierig. Deswegen bedeutet eine hohe Volatilität für Miner mehr Risiko als Chance. Wenn die Preise sich in einem temporären Tief befinden, bleibt unter Umständen nicht genug Zeit auf eine Erholung zu warten, da die Difficulty in der Zwischenzeit zu stark angestiegen sein könnte.

Geschäfte die Bitcoins akzeptieren

Online shops und Geschäfte leben vom Verkauf ihrer Produkte und Dienstleistungen. Sie sind die meiste Zeit damit beschäftigt ihr Angebot zu verbessern und Marketing zu machen. Das Managen von Wechselkursrisiken ist nicht ihre Kernkompetenz. Es wäre nicht so schön, wenn die Marge eines Händlers durch Wechselkursschwankungen aufgezehrt würde. Wenn jemand das Management des Wechselkursrisikos für den Händler übernimmt, kostet es Geld. Deswegen brauchen Geschäfte eine stabile Währung.

Ottonormal Nutzer

Leute, die Bitcoins einfach nutzen um mit ihnen zu bezahlen oder Geld von A nach B transferieren sind vergleichbar mit Geschäften. Sie nutzen Bitcoins als Mittel zum Zweck. Nehmen wir das Beispiel, wenn jemand Bitcoins verwendet um Geld seiner Familie in ein anderes Land zu schicken. Es wäre nicht wünschenswert, wenn die die Ersparnisse signifikant an Wert verlieren, bevor der Empfänger sie in seine lokale Währung umtauschen kann.

Für drei der erwähnten Gruppen ist eine hohe Bitcoin Volatilität nicht wünschenswert. Man könnte zwar argumentieren, dass diese Gruppen auch von steigenden Bitcoin Preisen profitieren. Schließlich ist Bitcoin tendenziell eine deflationäre Währung. Allerdings handelt es sich dabei um eine langfristige Sichtweise. Wenn man Bitcoins täglich als Zahlungsmittel nutzen will, hat man nicht diese langfristige Perspektive. Vielmehr kann man von kurzfristigen Preisschwankungen getroffen werden. Eine hohe Bitcoin Volatilität ist mehr Feind als Freund. Und nur nochmal zur Klarstellung, Volatilität und Preissteigerung sind nicht das gleiche. Wenn der Preis täglich um 1% steigt beträgt die Volatilität 0%. Obwohl in dieser Situation der Preis völlig explodiert.

Deshalb ist eine Bedingung damit Bitcoin als Währung Erfolg hat eine geringere Wechselkursvolatilität. Und wenn Bitcoins als Währung erfolgreich sind, sind sie es auch als Vermögenswerte.

4. Bitcoin Volatilitäts-Ausblick

Dieser Artikel hat bisher nicht die Ursachen hinter Bitcoin Volatilität untersucht. Große Preisschwankungen sind das Ergebnis von hohen Kauf- oder Verkauf-Volumina. Die Motivation hinter Handelsaktivitäten sind nur selten ersichtlich. Nachrichten sind meistens einer von vielen Faktoren. Diesbezüglich ist es aber nicht sehr hilfreich die Vergangenheit zu verstehen, da man daraus nicht sehr viel über die Zukunft lernen kann. Außer man kann Nachrichten vorhersehen.

Ein Faktor der sicher messbaren Einfluss auf die Volatilität hat, ist das Marktvolumen bzw. die Marktliquidität. Das letzte Chart dieses Artikels zeigt, wie viel Bitcoins auf Mt.Gox zum USD gehandelt wurden als Anteil aller im Umlauf befindlichen Bitcoins (Tagesbasis).

bitcoin handelsvolumen

Datenquellen: blockchain.info; eigene Berechnungen

Wie man auf dem Chart sieht, übersteigt das Handelsvolumen häufig die 1% Marke. Und wir reden hier nur vom Handel zum USD und nur von Mt.Gox. Das schließt den Handel von Bitcoins zu allen anderen Währungen und zu allen anderen Börsen und Marktplätzen aus. Wenn man das gesamte Handelsvolumen summieren würde, sollte der Anteil an allen ausstehenden Bitcoins nochmal deutlich höher sein. Dabei sind bereits Werte über 1% hoch, wenn man das beispielsweise mit Aktien vergleicht. Andererseits ist auf dem Chart auch eine Entwicklung sichtbar. Die Anteil der täglich gehandelten Bitcoins an allen ausstehende Bitcoins ist rückläufig. Zumindest haben die Tage mit hohen Spitzen abgenommen.

Ein Faktor für diese rückläufige Entwicklung könnte die steigende Marktkapitalisierung von Bitcoins sein. Je mehr alle Bitcoins in Summer wert sind, desto geringer ist (ceteris paribus) der Einfluss eines einzelnen Trades auf den Marktpreis. Man kann fast von einem Zirkelschluss sprechen. Solange die Bitcoin Volatilität hoch ist, kommen tendenziell weniger neue Nutzer hinzu. Aber je mehr Nutzer es gibt, desto leichter ist es aufgrund der sinkenden Volatilität neue Nutzer zu überzeugen.

Die drei Charts aus diesem Artikel decken eine Tendenz zu einer fallenden Bitcoin Volatilität auf. Wenn es sich dabei um einen echten Trend handelt, hoffe ich, dass er sich fortsetzt. Ich bin vorsichtig optimistisch was das angeht. Mit einer Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. USD ist Bitcoin immer noch auf verhältnismäßig kleinem Niveau. Das ist weniger als das kleinste Unternehmen im S&P500 (Intel hat zum Beispiel eine Marktkapitalisierung von 110 Mrd. USD) und circa ein Drittel der Geldmenge von Uganda. Sowohl Aktien kleiner Unternehmen als auch Währungen kleiner Staaten sind bekannt für ihre hohe Volatilitäten. Genau aus dem Grund, dass einzelne Trades einen höheren Einfluss auf den Marktpreis haben. Mein verhaltener Optimismus kommt von der steigenden Nutzerzahl. Mehr Nutzer erhöhen die Nachfrage nach Bitcoins und Nachfrage erhöht die Marktkapitalisierung. In dieser Wirkungskette sinkt die Bitcoin Volatilität und Bitcoin kann erfolgreich werden.

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Radoslav Albrecht

Radoslav Albrecht

Ich arbeite seit August 2013 an bitcoins21. Neben meiner Begeisterung für Bitcoins reise ich gerne und mache viel Sport. Bei Fragen schreibt mir eine email an: radko@bitcoins21.com