1

Bitcoin Geldmenge und Geldschöpfung

Share Button

Viele Artikel erwähnen, dass die begrenzte Bitcoin Geldmenge ein Hauptvorteil dieser digitalen Währung ist. Die Begründung lautet meistens folgendermaßen. Da Bitcoins nur durch Mining erzeugt werden können und es eine Obergrenze von 21 Millionen gibt, sollen Bitcoins angeblich inflationssicher sein. Dieser Artikel sagt beispielsweise, Bitcoin “eliminiert theoretisch die Inflation”. Wenn das zutrifft, würden Bitcions nicht an Kaufkraft verlieren. Die Bitcoins die ich heute besitze, kaufen mir morgen noch die gleiche Menge an Gütern und Dienstleistungen. Oder sogar eine größere Menge im Falle von Deflation.

Anmerkung: dieser Artikel wurde urspünglich von mir am 17.09.2013 beim DGC Magazine auf englisch veröffentlicht – Bitcoin Money Supply and Money Creation

Von der Quantitätstheorie des Geldes wissen wir, dass es eine Verbindung ziwschen Inflation und der Geldmenge gibt. Eine substantielle Ausweitung der Geldmenge durch das Drucken von Geld wird irgendwann zu einem Kaufkraftverlust führen. Deshalb ist es interessant, einen genaueren Blick darauf zu werfen, wie Bitcoin Geldschöpfung stattfindet und wie die Bitcoin Geldmenge wächst.

Geldschöpfung bei Fiatwährungen

Während Bitcoins durch Mining erzeugt werden, wird die Herstellung von Fiatgeld als Geldschöpfung bezeichnet. In einer vereinfachten Betrachtung gibt es zwei Methoden der Geldschöpfung. Geld wird entweder von der Zentralbank geschöpft oder von Geschäftsbanken.

Geld, das direkt durch die Zentralbank geschöpft wird, heißt Geldbasis. Die Geldbasis setzt sich aus Bargeld und den Einlagen von Finanzinstituten bei der Zentralbank zusammen. Die Geldbasis wird auch als high-powered money bezeichnet. Das liegt daran, dass eine Erhöhung der Geldbasis die gesamte Geldmenge um ein Vielfaches erhöht. Die Zentralbank wendet eine Reihe von Maßnahmen an, wenn sie die Geldbasis erhöhen will. Durch Offenmarktgeschäfte leiht die Zentralbank den Geschäftsbanken Geld gegen Sicherheiten. Der Kreditbetrag wird den Geschäftsbanken gutgeschrieben, wodurch sich ihre Einlagen bei der Zentralbank erhöhen.

Geschäftsbanken schöpfen Geld durch Kreditvergabe. Wenn ein Kunde bei einer Bank eine Einlage hält (z.B. auf einem Girokonto), kann die Bank dieses Geld an einen Kreditnehmer verleihen. Das ausgeliehene Geld wird wiederum als Einlage bei einer Bank gehalten (sofern es nicht als Bargeld gehalten wird) und kann genauso von der Bank verliehen werden. Geldschöpfung durch Kreditvergabe existierte bereits in der Antike, als Geld nur in Form von physischen Edelmetallmünzen vorlag. Stell dir vor, jemand hat eine Münze und kauft davon eine Vase. Der Verkäufer der Vase hält diese Münze als Einlage bei seiner Bank. Die Bank verleiht diese Münze an eine zweite Person. Die zweite Person kauft mit dieser Münze ebenfalls eine Vase und der Verkäufer bringt die Münze wieder zur Bank. Dieses Vorgehen könnte endlos fortgesetzt werden, zumindest so lange wie die Bank kreditwürdige Kreditnehmer findet. In diesem Beispiel wurden mit einer Münze zwei Vasen im Wert von insgesamt zwei Münzen gekauft.

Wenn Geld durch Kreditvergabe geschöpft wird, nennt sich das auch Mindestreserve-System. Die Zentralbank schreibt den Geschäftsbanken vor, von allen Kunden-Einlagen einen bestimmten Teil als Mindestreserve auf einem Zentralbankkonto zu halten. Der Mindestreservesatz der Europäischen Zentralbank (EZB) beträgt momentan 1%. Das bedeutet, wenn ein Kunde eine Einlage von 100 EUR auf seinem Girokonto hat, kann die Bank davon 99 EUR als Kredit verleihen. Wir können über den Geldschöpfungsmultiplikator die maximale Geldmenge berechnen, die im Mindestreserve-System geschöpft werden kann. Der Geldschöpfungsmultiplikator beträgt 1 geteilt durch den Mindestreservesatz. Bei einem Mindestreservesatz von 1% liegt der theoretische Multiplikator als bei 100. Das heißt, aus einer Einlage von 100 EUR können insgesamt 10.000 EUR an Geld geschöpft werden. Hieran sehen wir auch, warum die Geldbasis als high-powered money bezeichnet wird.

Die Geldmenge M1

Die Geldmenge von Fiatwährungen wird in die drei Gruppen M1, M2 und M3 eingeteilt. Die Definitionen, was als Geld zählt und zu welchen dieser drei Gruppen es zugeordnet wird, weichen etwas von voneinander ab. Ein Überblick reicht hier für unsere Zwecke aus.

M1 beinhaltet Geldscheine und Münzen (Bargeld) im Umlauf sowie Sichteinlagen des Publikums (Privatpersonen und Unternehmen) bei Finanzinstituten. M2 beinhaltet M1 plus Sparguthaben und Festgelder. M3 beinhaltet M2 plus Geldmarktinstrumente mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

Werfen wir einen genaueren Blick auf Komponenten von M1 in beim Euro. Eine Punkt soll hierbei hervorgehoben werden. M1 enthält sowohl Geld, das von der Zentralbank, als auch von Geschäftsbanken geschöpft wurde. 75% von M1 wurden durch die Kreditvergabe im Mindestreserve-System von Geschäftsbanken geschöpft. Nur 22% von M1 besteht aus der Geldbasis die von der Zentralbank geschöpft wurde. Die Geldbasis enthält 300 Mrd. EUR Reserven die von Geschäftsbanken in Zentralbankkonten gehalten werden. Diese 300 Mrd. EUR sind die Grundlage für Geldschöpfung durch Kreditvergabe. Demnach hat der effektive Geldschöpfungsmultiplikator in der Eurozone einen Wert von ca. 14.

Geldmenge M1 der Eurozone Juni 2013

Geldmenge M1 der Eurozone im Juni 2013; Daten: ECB statistical data warehouse

Schöpfung der Bitcoin Geldbasis

Nachdem wir uns die Geldschöpfung und Geldmenge einer Fiatwährung angesehen haben, können wir beides aus der Bitcoin Perspektive betrachten.

Bitcoins werden durch Mining geschöpft. Mining kann man mit der Ausstattung des Publikums mit Geld durch die Zentralbank vergleichen. Demnach sind Bitcoins, die durch Mining geschöpft wurden, Teil der Bitcoin Geldbasis. Allerdings gibt es signifikante Unterschiede zwischen Mining und der Geldschöpfung durch eine Zentralbank. Wenn das Publikum nach einer Währungsreform mit Geld von der Zentralbank ausgestattet wird, hört die Geldschöpfung durch die Zentralbank nicht auf. Die Zentralbank weitet die Geldbasis weiter aus, wodurch Inflation verursacht werden kann. Bei Bitcoins kann niemand die Geldbasis über die durch das Mining erzeugte Geldmenge hinaus ausweiten. Es gibt keine Zentralbank. Das Mining ist die einzige Quelle für die Bitcoin Geldbasis. Durch das Mining erzeugte Bitcoins sind deshalb die Bitcoin Geldbasis – und nicht nur ein Teil davon.

Zudem weiß man nie, wie viel Geld in der Zukunft durch die Zentralbank geschöpft wird. Die Zentralbank weiß das selber nicht, weil die Geldpolitik der Zentralbank von ökonomischen Variablen abhängt, die sich schnell ändern können. Bitcoin Mining hingegen ist vorhersehbar. Wir wissen mit hoher Genauigkeit, wie viele Bitcoins über einen bestimmten Zeitraum durch das Mining geschöpft werden. Deshalb gilt, das Wachstum der Bitcoin Geldbasis ist vorhersehbar. Wie man auf dem folgenden Chart sehen kann, wird die Wachstumsrate der Bitcoin Geldbasis in naher Zukunft deutlich zurückgehen.

Bitcoin Geldbasis und Wachstum zur Bitcoin Geldmenge

Bitcoin Geldbasis und Wachstum (IST 01-2009 bis 08-2013 und Projektion bis 2013); Daten: blockchain.info, eigene Berechnungen

Bitcoin Geldschöpfung durch Kreditvergabe

Wie wir am Fiatgeld Beispiel gesehen haben, ist die zweite Methode der Geldschöpfung die Kreditvergabe durch Geschäftsbanken. Deshalb stellt sich die Frage, ob auch bei Bitcoins eine Kreditvergabe existiert. Die gesamte Bitcoin Geldmenge würde die Anzahl der durch das Mining geschöpften Bitcoins (die Bitcoin Geldbasis) überschreiten. Solche Anbieter für Bitcoin Kreditvergabe gibt es bereits. Entsprechende Anbieter sind im Lending Abschnitt der Bitcoin Wiki Trade Seite gelistet.

Einige dieser Anbieter basieren auf der sogenannten peer-to-peer Kredit Methode und manche stellen eine Bitcoin Bank dar. Im letzteren Fall sammelt der Betreiber der Seite Einlagen von Kunden ein und vergibt Kredite. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Ich werde in einem anderen Beitrag näher darauf eingehen. Die wichtige Tatsache hier ist, dass Bitcoin Kreditvergabe bereits stattfindet.

Das bedeutet, Bitcoins werden nicht nur durch Mining sondern auch durch Kreditvergabe geschöpft. Nichtsdestotrotz ist die Anzahl der Bitcoin Kredit-Anbieter noch gering. Und obwohl diese Anbieter keine Zahlen veröffentlichen, kann man annehmen, dass die Summe der durch Kreditvergabe geschöpften Bitcoins im Verhältnis zum Mining gering ist. Da die Bitcoin Kreditvergabe nicht durch eine Zentralbank reguliert ist, gibt es keine vorgeschriebene Mindestreserve. Deshalb könnte man argumentieren, dass der Geldschöpfungsmultiplikator unendlich ist. Eine Bitcoin Bank könnte die Einlagen ihrer Kunden theoretisch ad infinitum verleihen. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dieser Bereich entwickelt. Eine natürliche Deckelung hat die Kreditvergabe jedoch allein aufgrund der Tatsache, dass eine Bitcoin Bank nicht unendliche viele kreditwürdige Kreditnehmer finden würde.

Die Bitcoin Geldmenge

Um die Bitcoin Geldmenge zu messen, sehen wir uns zuerst die durch das Mining in Umlauf gebrachte Menge Bitcoins an. Diese Zahl ist momentan bei 11,7 Millionen Bitcoins und stellt die Bitcoin Geldbasis dar. Die Berechnung der Bitcoin Marktkapitalisierung basiert ebenfalls auf dieser Zahl. Die Bitcoin Marktkapitalisierung und die Bitcoin Geldbasis sind identisch. In einem Fall ausgedrückt in Bitcoins und im anderen Fall ausgedrückt als Wert in einer anderen Währung (z.B. US Dollar). Deshalb gilt bei aktuellem Wechselkurs, die Bitcoin Marktkapitalisierung ist gleich der Bitcoin Geldbasis und beträgt momentan 1,3 Mrd. USD. Wenn wir die Bitcoin Geldmenge mit der Geldmenge anderer Währungen vergleichen wollen, müssen wir diese 1,3 Mrd. USD mit der Geldbasis der anderen Währung vergleichen. Sri Lanka hat beispielsweise eine Geldbasis von ca. 2,5 Mrd. USD. Das bedeutet die Bitcoin Geldbasis beträgt etwas mehr als die Hälfte der Geldbasis von Sri Lanka.

Was man nicht machen sollte ist die Bitcoin Geldbasis mit der Geldmenge M1 anderer Währungen zu vergleichen. Solange keine Zahlen über das ausstehende Bitcoin Kreditvolumen verfügbar sind, werden wir nicht wissen wie hoch die Bitcoin Geldmenge M1 ist. Um diese Zahl zu kennen, müssten wir die Summe des ausstehenden Bitcoin Kreditvolumens mit der Menge der durch das Mining geschöpften Bitcoins summieren. Wie wir am Beispiel des Euro gesehen haben, wird der größere Anteil von M1 durch die Kreditvergabe geschöpft. Ein Vergleich der Bitcoin Geldbasis mit der Geldmenge M1 einer anderen Währung wäre der Versuch zwei unvergleichbare Zahlen zu vergleichen.

Bitcoin hat das Potential langfristig die Kaufkraft zu sichern

Wenn wir diesen Artikel zusammenfassen, werden zwei Dinge klar. Erstens, Bitcoins werden nicht nur durch Mining, sondern auch durch Kreditvergabe geschöpft. Zweitens, um die Bitcoin Geldmenge zu messen, müssen wir die aus der Kreditvergabe geschöpften Bitcoins zu den Bitcoins aus Mining addieren. Wie ist die Auswirkung hiervon auf das Wachstum der Bitcoin Geldmenge?

Die Bitcoin Geldbasis wächst mit einer vorhersehbaren Rate und diese Rate nimmt insbesondere ab 2014 deutlich ab. Ab da macht sich die Halbierung auf 25 Bitcoins je Block beim Mining bemerkbar. Das bedeutet, die Bitcoin Geldbasis ist nicht sonderlich von Belang. Die Bitcoin Kreditvergabe verdient eine höhere Aufmerksamkeit, da sie sich noch am Anfang befindet und eine höhere Relevanz erreichen könnte.

Als erste Abschätzung des Effekts der Kreditvergabe auf das Wachstum der Bitcoin Geldmenge können zwei Dinge angemerkt werden. Momentan erzeugt die hohe Bitcoin Volatilität Wechselkursrisiken sowohl bei Gläubigern als auch bei Schuldnern. Wir können eine Zunahme der Kreditvergabe mit abnehmender Volatilität erwarten. Der zweite Punkt ist, dass die Bitcoin Währung solange in einer Deflation verbleibt, wie die Zahl der Nutzer stärker wächst als die Bitcoin Geldmenge. Eine deflationäre Währung erhöht die Anreize Ersparnisse zu bilden anstatt sich Geld zu leihen. Deshalb können wir erwarten, dass die Bitcoin Kreditvergabe im Verhältnis zur Geldbasis gering bleibt. Wahrscheinlich sogar deutlich geringer als wir das am Beispiel des Euro gesehen haben.

Da das Wachstum der Bitcoin Geldbasis zurück geht und die Kreditvergabe eine geringere Bedeutung hat als bei einer Fiatwährung, ist absehbar, dass Bitcoins in den nächsten Jahren in der Deflation bleiben. Das ist eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass Bitcoins nicht nur ein schnelles und kostengünstiges Zahlungssystem sind, sondern auch eine stabile Währung, die die Kaufkraft sichert. Die Inflation ist nicht eliminiert, da die Bitcoin Geldmenge deutlich über die Kreditvergabe wachsen kann. Wie wir gesehen haben ist das jedoch recht unwahrscheinlich.

Share Button
Radoslav Albrecht

Radoslav Albrecht

Ich arbeite seit August 2013 an bitcoins21. Neben meiner Begeisterung für Bitcoins reise ich gerne und mache viel Sport. Bei Fragen schreibt mir eine email an: radko@bitcoins21.com